Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

BI-Ratschlag zur verlängerten Zwischenlagerung: Viele offene Fragen

Der hochaktive Atommüll wird vermutlich noch viele Jahre im Gorlebener Zwischenlager stehen, Schätzungen gehen von weiteren 80 bis 100 Jahren aus. Erste Behälter-Zulassungen laufen schon in diesem Jahr aus, und 2034 endet die Aufbewahrgenehmigung für die Zwischenlagerhalle.

2026 plant die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) eine Genehmigung zur Verlängerung der Lagerungszeit zu beantragen. Das wirft viele Fragen auf, die am 26. Februar auf einem „Ratschlag“ der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) in Platenlaase von den anwesenden Akivist:innen diskutiert wurden.

Hintergrund für die Sammlung von kritischen Themen und Fragen, die über fehlende Störfallszenarien über mangelhafte Transparenz und frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit reichten, ist die von der BGZ angekündigte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die verlängerte Zwischenlagerung, die überraschender Weise bereits voll im Gang ist. Umso wichtiger sei es, frühzeitig die umfassende Kritik am Untersuchungsrahmen in den Prozess einzubringen, denn Gorleben ist das erste der sechzehn Zwischenlagerstandorte in Deutschland, wo über einen verlängerten Lagerungszeitraum beschieden werden muss.

„Hier müssen wir Standards setzten, die Neugenehmigung des Zwischenlagers in Gorleben kann als Blaupause für alle anderen Standorte gelten“, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Für die BI referierte Dr. Peter Widmayer (den Beitrag findest du/finden Sie hier: BI Platenlaase) und stellte die Forderungen vor: Auch in 100 Jahren müssen die Behälter transportfähig sein. Bei einer Neugenehmigung müssten die kommenden 80 bis 100 Jahren werden. Thermische und mechanische Belastungen auf die Behälter müssen neu überprüft werden und dem aktuellsten Stand von Wissenschaft von Technik entsprechen. Dafür müssten endlich Tests mit echten – eigentlich sogar mit gebrauchten – Behältern durchgeführt werden, Berechnungen reichten nicht.

Widmayer monierte, dass die BGZ die UVP-Antragsunterlagen erst im Anschluss an deren öffentliche Vorstellung in Hitzacker Ende Januar veröffentlicht hatte. Diese Unterlagen ließen viele Fragen offen, vor allem mit Blick auf die Langzeitlagerung der Behälter sowie nicht in Betracht gezogene Prüfungen von Alternativen, möglichen Störfällen mit weiträumigen Auswirkungen für die Umwelt und die hier lebende Bevölkerung.

„Wir sammeln Fragen, aber haben keine Antworten, denn liefern müssen die Behörden“, waren sich die Beteiligten einig. Unterschiedliche Perspektiven und Themen wurden debattiert. So sei die Bedrohungslage heute eine andere als noch vor 40 Jahren, als das Lager einst genehmigt wurde. Fragen, die laut wurden: „Wie verhält sich das Behältermaterial über derart lange Zeiträume, was passiert, wenn ein Behälter defekt ist. Wie kann eine lückenlose Überwachung stattfinden. Ist überhaupt eine Einschätzung über so lange Zeiträume, auch mit Blick auf technische oder auch politische Veränderungen, möglich?“

Einigkeit herrschte, dass dieses brisante Thema unbedingt mehr öffentliche Aufmerksamkeit brauche. Denn die meisten Betroffenen seien heute noch nicht mal geboren. Adressaten sollen zum Beispiel auch die neu gewählten Bundestagsabgeordneten sein.

Wolfgang Ehmke, Pressesprecher, 0170 501 56 06

weitere Informationen:

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29. Januar 2025 – Die Zwischenlagerung der hochradioaktiven Abfälle in Gorleben geht in die Verlängerung. Bereits am 22.November 2024 stellte die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) den Antrag zu einer vorgelagerten Umweltverträglichkeitsprüfung.

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